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Was einen guten Jahrgang ausmacht

Aus gegebenem Anlass…

Hitzewelle in Deutschland, ein Ausnahmezustand für alle. Die Landwirte sind am Limit, gegen die Trockenheit hat man schon verloren. Bauern müssen ihre Tiere zu füttern, Notschlachtungen hat es schon gegeben, die Bauern flehen um Unterstützung. Eine Outdoorveranstaltung, wie wir sie Jahre nicht mehr hatten.

Und diese Hitze soll gut für Wein sein?? Mich erinnert das alles an den Sommer 2003….

Wochenlang berichteten die deutschen Tageszeitungen vom Weinjahrgang 2003. „Besser als 1959“, „ein Jahrhundertjahrgang“ hieß es da und jeder war über die über allen Zweifel erhabenen Qualität der Weinernte im Bilde… Ich staunte, denn dies wurde geschrieben, als die meisten Erzeuger noch gar nicht mit der Lese begonnen hatten, selbst einen Monat später hatten die führenden deutschen Winzer noch immer keine einzige Traube geerntet. Kurze Zeit später las man in Fachzeitschriften: „2003, ein Katastrophenjahrgang?“, „Das Jahr der Brummis“… und schließlich, im März auf der Pro Wein, einer der wichtigsten Weinmessen Europas, schaute man sich kopfschüttelnd und fragend an. Drei Messetage hatte man sich durch „Monsterweine“ durchgekämpft, deren hohe Alkohol- und niedrigen Säurewerte es auch geübten Verkostern nicht leicht machten. Ich persönlich begann, alles, was noch von 2001 und 2002 zu bekommen war, für unseren Weinkeller zu ordern.

Tatsache ist, wir hatten in 2003 einen Ausnahmesommer mit extremen Temperaturen, die die Reben unter Trockenstress leiden ließen, den Zuckergehalt in den Beeren in die Höhe trieben, die Säurewerte dagegen aber sinken ließen. Da Zucker nun mal zu Alkohol vergärt und noch mehr Zucker zu noch mehr Alkohol, entstanden Weine mit extrem hohen Vol. %. Winzer, die genau das vermeiden wollten, begannen sehr früh mit der Lese, mit dem Resultat, das diese Weine schon jetzt Alterungstöne zeigen, weil die absichtlich früh gelesenen Beeren noch gar nicht ausgereift waren. Viele Winzer machten von der Erlaubnis des Säurezusatzes (das hat es in deutschen Anbaugebieten noch nie gegeben) Gebrauch, mit dem Ergebnis, dass sich in vielen Fällen die zugesetzte Säure nicht richtig eingebunden hat. Die meisten trockenen Weißweine aus 2003 zeichnen sich durch Alkohol aus, besitzen keine Eleganz, keine eigene Persönlichkeit und durch den Mangel an Säure wirken sie plump und schwer oder aber sie sind durch Zugabe von Säure verunstaltet worden und werden wohl nicht mehr lange überleben.

Richtig ist aber, dass 2003 exzellente Rotweine hervorgebracht hat und großartige Süßweine. Auf schlichte, leichte Kabinettweine mußten wir in diesem  Jahr wohl verzichten… In Wirklichkeit sind große Jahrgänge selten. Der letzte war 1990, seitdem haben immer nur einzelne Anbaugebiete einen Ausnahmejahrgang erlebt. Die Weinrebe benötigt weit mehr als nur Sonne zum Reifen, diese allein reicht nicht. Gute Weine brauchen neben Bodenbeschaffenheit und einem  ausgeglichenen Klima noch das Know How eines fleißigen und leidenschaftlichen Winzers. Und „Spitzengewächse“ noch vieles mehr. Sonne und dementsprechend hohe Oechslewerte machen keinen großen Wein, sie geben letztlich nur einen ungefähren Hinweis auf die Qualität. Über seinen Charakter, seine Struktur und seine Lebenserwartung sagen sie nichts aus.

Für einen Jahrhundertjahrgang ist es auch jetzt in 2018 zu spät, gerade die jungen Reben sind vertrocknet. Die Winzer in den Weinregionen, in denen es zwischendurch wenigstens mal etwas geregnet hat, konnten hoffentlich noch was retten.

Wir haben einen Jahrhundertsommer, aber sicher keinen Jahrhundertjahrgang!